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30. November 2017 Christiane Staab

Fachhochschulen sind mit Veränderung groß geworden

Mit einstimmigem Beschluss der Generalversammlung wurde Mag. Raimund Ribitsch, Geschäftsführer der FH Salzburg, am 13. Oktober 2017 zum neuen Präsidenten der Fachhochschul-Konferenz (FHK) – dem Dachverband aller österreichischer Fachhochschulen – gewählt. Wir konnten ihn für ein Interview gewinnen.

Der FH Sektor wird weiter ausgebaut – wo sehen Sie hier die Schwerpunkte? Ein Ausbau scheint fix, offen ist hier das Tempo. Was möchte und was verträgt der Fachhochschulsektor?

Der Fachhochschulsektor hat nach langer und intensiver Lobbyingarbeit die kürzlich erfolgte Ausschreibungsrunde von neuen Studienplätzen durch das Wissenschaftsministerium erreicht. Es hat jedoch mehr als ein Jahr gedauert, bis das Ministerium die Zusage der Verwendung der € 100 Mio aus der Bankenabgabe für neue Studienplätze umgesetzt hat. Schließlich wurden im Sommer 450 Bachelor- und Masterstudienplätze im „MINT“-Bereich ausgelobt. Beantragt wurden von den Fachhochschul-Erhaltern knapp 1.700 Studienplätze. 

Dieses jüngste Beispiel zeigt zweierlei. Erstens, der weitere FH-Ausbau wird zwar seitens der Politik befürwortet, jedoch die Umsetzung geht langsam und nicht ohne Nachdruck vor sich. Und zweitens decken die Ausschreibungsrunden nicht den tatsächlichen Bedarf ab.

Insofern halte ich den weiteren quantitativen Ausbau der Fachhochschulen keineswegs für ausgemacht, sondern es wird intensiver Überzeugungsarbeit der Fachhochschul-Konferenz, der Sozialpartner und der Länder bedürfen.

Zum quantitativen Ausbau: Der Fachhochschulsektor hat mit aktuell rund 50.000 Studierenden einen Anteil von knapp 15 % am tertiären Sektor.

Das gemeinsame Ziel aller Fachhochschulen ist, innerhalb von fünf Jahren einen Anteil von 20 % zu erreichen.

Dazu sind pro Jahr 1.200 zusätzlich finanzierte AnfängerInnen-Studienplätze erforderlich. Bundesminister Mahrer hat im Rahmen des Forum Alpbach einen FH-Anteil von 30 % mittelfristig in Aussicht gestellt. Es liegt am Wissenschaftsministerium, die dafür erforderlichen Mittel mit dem Finanzministerium zu verhandeln und die Plätze im Zuge der nächsten fünfjährigen „Entwicklungs- und Finanzierungspläne“ zur Verfügung zu stellen. Wie man an der letzten Ausschreibungsrunde sieht – an neuen Studiengangsvorhaben, die von Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft gefordert werden, mangelt es nicht. Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, in die Gruppe der „Innovation Leader“ aufzusteigen, und laut OECD Studien werden künftig 50 % aller Berufsfelder einer akademischen Vorbildung bedürfen. Wirtschaft und Gesellschaft stehen im Zusammenhang mit der Digitalisierung, rasanten Entwicklungen in den Life Sciences, der älter werdenden Gesellschaft, den Wanderungsbewegungen und der Globalisierung vor großen Veränderungen.

Fachhochschulen sind mit Veränderung quasi groß geworden und aufgrund ihrer agilen Struktur bestens gerüstet, Veränderung zu gestalten und zu begleiten.

So wird sich auch in Zukunft ein breites Feld an neuen angewandten Studiengangsmöglichkeiten ergeben, im Bereich der Technik, der Naturwissenschaften, der Gestaltung sowie der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Die Forschungsleistung von Fachhochschulen scheint oft in der Öffentlichkeit nicht so sichtbar zu sein. Wie kann man hier stärken?

Die angewandte Forschung und Entwicklung hat sich an Fachhochschulen ausgezeichnet entwickelt, dies insbesondere vor dem Hintergrund der nicht ganz leichten Rahmenbedingungen.

Die öffentliche Finanzierung umfasst nur jene für Studiengänge und deren Organisation, nicht jedoch für die nachhaltige F&E. Forschung und Entwicklung an Fachhochschulen wird durch Drittmittelprojekte mit Wirtschaft & Industrie sowie im Rahmen von Programmen der FFG, CDG, FWF und auch der EU durchgeführt. Eigene Doktorandinnen und Doktoranden zur Durchführung von F&E Aufgaben stehen praktisch nicht zur Verfügung.

Die Stärkung der Forschung sehe ich zum einen in öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen wie dem jährlichen Forschungsforum der Fachhochschulen oder auch im Rahmen der Alpbacher Technologiegespräche. Für eine wirklich bedeutende Weiterentwicklung ist jedoch auch hier die öffentliche Hand gefordert. Durch eine nachhaltige Finanzierung der angewandten F&E, durch die Ermöglichung extern akkreditierter Doktoratsprogramme für Fachhochschulen und nicht zuletzt durch die deutliche Mittelaufstockung von F&E Programmen.  

Sie waren bisher als Vizepräsident der FHK tätig und wurden nun mit enormer Zustimmung zum Präsidenten gewählt – was sind in dieser Funktion Ihre Prioritäten bzw. wo werden Sie den Hebel ansetzen?

Zunächst danke ich allen Kolleginnen und Kollegen aus dem FH-Sektor für die außerordentliche Zustimmung und Unterstützung, die ich schon bisher erfahren habe!  Die Fachhochschul-Konferenz als Interessensvertretung zeichnet sich durch besonders hohe Effizienz und Effektivität aus.

Mir ist wichtig, dass der FH-Sektor im nächsten Koalitionsübereinkommen in seiner wichtigen Aufgabe für den Innovationsstandort Österreich konkret genannt wird.

Im nächsten Entwicklungs- und Finanzierungsplan, quasi das fünfjährige Rahmenprogramm für die Fachhochschulen, muss die aktuelle Finanzierung mindestens sichergestellt und der Ausbau an Studienplätzen quantifiziert sein.  Weiters ist es mir wichtig, dass in den Gesundheitswissenschaften künftig bundesfinanzierte Masterstudiengänge angeboten werden können. Masterstudiengänge sind die Basis für eine wissenschaftlich fundierte Weiterentwicklung aller Berufsfelder und Österreich hat im Gesundheitswesen und der Gesundheitsforschung Nachholbedarf. Auch in diesem Zusammenhang ist die Erreichung von Doktoratsprogrammen für Fachhochschulen ein wichtiges Anliegen und schließlich gilt es, die anwendungsorientierte Forschung und den Innovationstransfer in die Regionen durch konkrete Fördermaßnahmen zu stärken und zu fördern.  Besonders wichtig ist mir das Selbstverständnis der Fachhochschul-Konferenz – als Vertretung der Interessen aller Studiengangsleitungen, Kollegiumsleitungen und Erhalter im österreichischen Fachhochschulsektor. 

Vielen Dank.

Weiterführende Links: FHK, FH Salzburg, FH Burgenland

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