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16. August 2017 Christiane Staab

Unser Praktikum in Indien

Besondere Erfahrungen sind für die Studierenden des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit in ihrem Praktikum garantiert. Dieses verbringen sie in Einrichtungen im In- und Ausland. Laura Golubovic und Robin Lang erzählen uns am Blog über ihre Zeit in Indien. Hier ist Teil 1:

Unsere Intentionen

Indien ist eine Herausforderung.

Es ist ein Land, indem wir uns als westlich geprägte Menschen zwischen grenzenloser Schönheit und Wahnsinn ständig hin und her gerissen gefühlt haben. Wir konnten uns nicht mehr auf bereits gemachte Erfahrungen in Bezug auf zwischenmenschliche Begegnungen oder auf ein Wissen beziehen, welches uns in den verschiedensten Situationen womöglich geholfen hätte. Die Tatsache darüber, dass jeglicher Versuch eine Aussage über das Land, die Menschen und die damit verbundene Kultur zu treffen, durch das meist ebenso zutreffende Gegenteil zu Nichte gemacht wurde, schien uns besonders in den ersten Wochen als ständiger Begleiter nicht loszulassen.

Irritierend ist das Wort, welches Indien vermutlich am besten beschreibt.

Unsere Intention war jedoch von Beginn an jene, uns so viel wie nur möglich, sei es privater oder beruflicher Natur, mitzunehmen und zu verstehen. Wir sind nach Indien, um zu wachsen, durch die Erfahrungen, die wir später auch machen sollten. Ebenso war der Gedanke spannend, Sozialarbeit aus einem neuen Blickwinkel und einer von anderen Rahmenbedingungen geprägten Kultur zu betrachten. Wir waren also nicht in Indien, um „Fehler im System, oder ihrer Arbeit“ aufzuzeigen, geschweige denn, etwas zu verändern. Das wäre allein schon vom zeitlichen Rahmen her sehr anmaßend gewesen.

Wir waren dort, um zu verstehen.

Diesen verstehenden Zugang hoffen wir mit diesem Blogpost zum Ausdruck bringen zu können. Es waren intensive 3 ½ Monate, in denen Laura und ich (Robin) uns viele Gedanken darum gemacht haben, wie und warum die Dinge in Indien laufen wie sie laufen. Wir haben dabei klarerweise nicht in jedem Zusammenhang eine für uns akzeptable Antwort gefunden.

Kurz zu unserer Person

Wir sind Studierende des Bachelorstudiengangs „Soziale Arbeit“. Laura, Tara und ich, Robin, haben uns im Rahmen des Langzeitpraktikums dafür entschieden nach Indien zu fahren, da uns die Möglichkeit durch Intersol-Chef Dr. Hans Eder und unser Department gegeben wurde. Das Department schlug uns vor, einen Blogpost über unsere Zeit in Indien zu verfassen. Diesen Vorschlag nahmen Laura und ich, Robin, an und somit haben wir uns ans Werk gemacht und wollen versuchen euch dieses Land mithilfe mehrerer Blogposts näher zu bringen. Der gesamte Eintrag basiert auf unseren eigenen Beobachtungen, Gedanken und Erfahrungen.

Und noch Eines vorab. Wir respektieren und achten die Menschen, die in Indien leben, vor allem in Bezug auf ihre Kultur und Wert-Einstellungen. Wir sind sehr froh darüber, dass wir ihr Land und ihre Lebensweise kennenlernen durften und eigene Erkenntnisse daraus ziehen konnten. So, aber jetzt reicht es auch wieder mit den einleitenden Worten. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und hoffentlich auch Mitfühlen.

Willkommen in Indien

„Give me questions“

An unserem ersten Tag in Indien sind wir gemeinsam mit Nelson Fernandes, einem engen Freund von Intersol-Chef Hans Eder, zum Mittagessen hinein ins mumbaianische Zentrum. Wir fuhren das erste Mal in einer dieser gelb-schwarz dreirädrigen Rikshaws. Nelson wirkt wie ein sehr hartarbeitender, aufgeschlossener und liebevoller Mensch. Er ist mit uns in ein Restaurant, indem wir einen magenschonenden Einstieg in die indisch-kulinarische Küche bekamen. Er war sehr fürsorglich und erklärte uns in welchen Situationen wir vorsichtig sein sollen. Zum Beispiel sollten wir darauf achten, dass die Rikshaw-Fahrer den „Taxometer“ bei jeder Fahrt einschalten.

Außerdem sollten wir unter keinen Umständen Essen im Zug kaufen, wenn wir nicht tagelang auf der Toilette sitzen wollen.

Stellenweise hatten wir das Gefühl, dass es ihm das Liebste wäre, wenn wir die Zeit in Mumbai erst gar nicht allein abseits unseres Hotels verbringen. Ungeachtet dessen, war es beruhigend zu wissen, eine Ansprechperson in dieser hektischen Stadt an unserer Seite zu haben.

„Give me questions“, sagte er uns immer wieder. Dabei hatten wir den Eindruck, dass er uns seine Sicht von Mumbai gerne näherbringen möchte, wir jedoch in der augenblicklichen Situation relativ schwer damit umgehen konnten, da wir noch drauf und dran waren, die Eindrücke einzusortieren. Man stelle sich eine Stadt voller Menschen, Verkaufshüttchen, Armut wohin man sieht, einem verworrenen Stromnetzwerk, pausenlos hupendem Verkehr, begleitet von Müllbergen an den Straßenrändern und einer von Abgasen verschmutzten und feinstaubpartikelbesetzten Luft vor.

Viel mehr hat Mumbai auf den ersten Blick nicht zu bieten.

Wie dem auch sei, wir sind schließlich in Indien, um zu verstehen und zwar so viel wir nur können. Somit haben wir schon fast mit Gewalt versucht uns Fragen aus den Ärmeln zu ziehen, sowohl um unser Interesse zu bekunden, als auch aus dem einfachen Grund, weil wir wissbegierig waren und die Zeit mit Nelson nutzen wollten. Schließlich ist er in Mumbai geboren. Und woher bekommt man schon Informationen aus erster Hand, wenn nicht von einem gebürtigen „Mumbaianer“? Natürlich ist es „nur“ s/eine Sichtweise, aber es ist eine, von der wir etwas lernen konnten.

Nelson brachte uns seinen Standpunkt über das Thema Soziale Arbeit näher. Sozialarbeiter arbeiten in den meisten Fällen für den Staat, dieser schafft die Arbeitsplätze und ist Finanzgeber. Sozialarbeiter setzen sich seiner Ansicht nach jedoch zu sehr mit den Politikern und dem politischen System auseinander und versuchen an dieser Stelle etwas zu verändern. „Aber wie Politik in ihren Grundzügen funktioniert, wirst du nicht ändern.“ Wenn ihr helfen wollt, dann helft. „Make things simple“, sagte er immer wieder. Denkt nicht zu viel mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen – was er auf das ganze Leben bezog.

Natürlich kann man diese Aussage zerlegen, darüber nachdenken was einem dabei aufstößt, wie es anders gesagt werden könnte, um es politisch korrekt an den „Mann“ zu bringen und doch, die Kernaussage hatte etwas für uns. Mir persönlich gefiel die Aussage, da sie eine für mich wichtige Botschaft enthielt, die gerade auch heute bei uns in Österreich einen Stellenwert verdient.

„Think with your Heart & Make things simple“.

Ich fragte ihn, ob er näher beschreiben könne, was es für ein Gefühl sei in Mumbai zu leben. Daraufhin lächelte er und meinte: „Weißt du, das spannende an Mumbai ist, dass du alles erreichen kannst, wenn du hart arbeitest, aber ganz unten bist, wenn du es nicht tust.“ Er führte weiter fort: „Worin du dich üben musst, ist ein einfaches Leben zu leben, aber hart zu arbeiten. Das ist etwas, das du von den Eltern mitbekommst, oder eben auch nicht. Aber die spielen dabei eine entscheidende Rolle.“

Insgesamt gab er uns noch sehr viel mehr für unsere Reise nach Pune mit, worüber wir nachdenken konnten. Nelson sprach nie verbittert über etwas, man spürte immer die Hoffnung hinter dem was er sagte. Wir sind sehr froh darüber ihn als unseren ersten Ansprechpartner in Indien gehabt zu haben. Danke Nelson!

Zugfahrt #1

Am nächsten Tag begleitete uns Nelson zum Bahnhof und uns wurden die Blicke der Menschenmassen bewusst, welche auf uns gerichtet waren. Eine völlig neue Situation, so viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, obwohl wir nichts weiter gemacht hatten, als ein Teil der Massen zu sein, die ebenso auf den Zug warten.

„Als Gandhi von Afrika zurück nach Indien kam, wurde er bereits von einer Menschenmasse erwartet und gefeiert. Er wurde in einer Limousine durch die Straßen und zu einem Treffen reicher Leute gefahren. Aber Gandhi hat sich dort sehr unwohl gefühlt. Er wollte das richtige Indien sehen, das Indien, in dem der Großteil der Bevölkerung lebte. Und so ist er auf Reisen gegangen. Er ist mit dem Zug durch Indien gefahren und hat versucht, möglichst viel von dem Land und den Leuten kennenzulernen und zu verstehen. Er hat sein ganzes Leben als ein einfacher Mensch auf dem Land gelebt, wie die meisten Menschen in Indien. Er hat immer versucht, wie die meisten Menschen in Indien zu sein. Das war auch ein Grund, warum die Massen ihn geliebt haben.“ http://www.rajasthan-indien-reise.de/indien/personlichkeiten-gandhi.html

Wir wollen uns keineswegs mit Ghandi vergleichen, aber seine Herangehensweise, die Vielfalt seines Landes kennenzulernen in dem er mit dem Zug reiste, entfachte schon bevor wir nach Indien flogen unsere Neugier darauf, diesen 3.300.000 km2 großen Giganten auf die gleiche Weise kennenzulernen, sobald wir ein Zeitfenster dafür haben. Klar, wir konnten nicht innerhalb von 15 Wochen ganz Indien mit dem Zug durchqueren, wir mussten schließlich noch ein Praktikum absolvieren. Dennoch verdeutlichte uns jede Reise mehr und mehr die Wichtigkeit der Begegnungen mit Menschen, vor allem – wichtig für uns – in einem nicht institutionellen Kontext.

Die offenen mit Gitterstäben versehenen Fenster, die unzähligen Ventilatoren, die an der Decke befestigt waren und die offenen Türen während der Fahrt, fielen uns dabei als erstes ins Auge. Je schneller wir uns fortbewegten, desto lauter wurde es.

Uns wurde im Laufe der Zeit immer stärker bewusst warum das Zugfahren so gut geeignet sein soll, Indien besser kennenzulernen und einen Eindruck darüber zu bekommen, was in diesem Land vor sich geht.

Während der Fahrt überkam uns eine innere Ruhe und wir konnten in die „stille Beobachter“-Rolle eintauchen, in die wir noch sehr oft hineinschlüpfen werden sollen. Man kann die Verkäufer, die während der Fahrt durch den Zug laufen, und ihren Chai verkaufen, sowie die Mitreisenden, beobachten oder sich von der landschaftlichen Vielfalt beeindrucken lassen. Die dabei immer wieder auftauchenden Slums und abgemagerten Kühe, die neben den Gleisen entlang spazieren, sind ein bitterer Beigeschmack des Ganzen. Ebenso auffällig war, wie die Menschen im Zug ihren Müll entsorgten. Wenn etwas gegessen oder getrunken wurde, ging der damit einhergehende Müll zielgerichtet aus dem Fenster. Die Menschen scheinen kein Bewusstsein für die damit entstehenden oder schon entstandenen Umweltprobleme zu haben. Es ist ein Normalzustand. Nicht außer Acht gelassen werden sollte, dass wir selten auf Mülleimer bzw. Container gestoßen sind wo man hätte etwas entsorgen können. Nach einer 4-stündigen Fahrt sind wir nun bald in Pune wo uns George Swami, Begründer vom John Paul Slum Development, abholen soll.

Willkommen in Pune

Kurz vor unserer Ankunft in Pune kam die Frage auf, wie wir George erkennen, wenn wir aussteigen. Wir hatten doch tatsächlich vergessen zu fragen, wo er uns abholt bzw. wie wir ihn erkennen.

Zwar hatten wir seine Telefonnummer, jedoch kein funktionierendes Handy um ihn, noch sonst jemanden, anzurufen.

In Pune angekommen trafen wir auf einen restlos überfüllten Bahnhof. Da wir uns nicht sicher waren, wie wir ihn jemals erkennen sollen, entschieden wir vor dem Haupteingang des Bahnhofs zu warten. Als wir das Massengedrängel, samt unseren Koffern, bis zu unserem Ziel überwunden hatten, erwartete uns schon die nächste Menschenmasse.

Wo auch immer wir hingingen, die Blicke waren auf uns gerichtet. Es hatte etwas von einem Superstar-Leben… Dürfte kein sehr schönes Leben sein.

Überforderung machte sich bei uns breit, da so viele Menschen etwas von uns wollten. Ein Selfie, eine Rikshaw, eine Stadtrundfahrt gefällig? Inmitten dieser Menschenmasse, Hitze und Lärm kamen plötzlich drei große, bärtige Männer im Kaftan auf uns zu und sahen uns mit finsterem Blick an. Robin: „Mein erster Gedanke war – wir müssen hier weg. Ich hatte mir die skurrilsten Szenarien ausgemalt und meinte, dass wir wieder die Stiegen hinaufsollten. Dann könne ich alleine und in Ruhe auf die Suche nach einem Telefon gehen, sobald wir die Koffer abgestellt haben, aber erst einmal – weg von hier“.

Laura hatte es nicht mitbekommen und unterhielt sich ganz unbeeinflusst mit den finster dreinschauenden Typen. Es stellte sich heraus, dass sie uns ebenso eine Rikshawfahrt anbieten wollten. Die erste Konfrontation mit eigenen Glaubenssätzen, die alles andere als mit der Realität zu tun hatten. Lächerlich, wenn ich heute darüber nachdenke. Jedenfalls warteten Laura & Tara mit den Koffern auf George während ich mich auf die Suche nach einem Telefon machte.

Während Robin auf der Suche war, rannte George schweißgebadet mit seinem Handy in der Hand, auf mich und Tara zu und fragte, wo um alles in der Welt wir gewesen sind, er hätte den ganzen Bahnhof nach uns abgesucht. Er wartete aber auf keine Antworten, sondern führte uns direkt zu den Rikshaws. Nach kurzem Verhandeln wurden wir zu Dritt in eine Rikshaw gesteckt. Nicht zu vergessen, wir hatten diese drei Koffer im Schlepptau. Wir mussten uns ja auch unbedingt für Koffer entscheiden, mit denen wir nach Indien kommen. Der Rikshawfahrer sah unsere entsetzten Gesichter und sagte nur:

„In India everything is possible.“

Auch George sagte: „That’s Indian style, no problem.“ Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, wie viele Personen tatsächlich in einer Rikshaw Platz haben.

Wir fuhren ca. 10 Minuten in das Sanjevaan Ashram und nahmen gemeinsam mit George Platz, um auf den Ashram-leitenden Pfarrer zu warten. Es breitete sich eine Totenstille aus. Wir waren mal wieder mit zu vielen Eindrücken überhäuft und waren einfach nur erledigt. George machte jedoch auch nicht den Eindruck als wollte er sich mit uns unterhalten, oder er sah uns unsere Müdigkeit und Überforderung an und wollte uns nicht noch zusätzlich mit Fragen bombardieren. Dieses drückende Schweigen könnte aber auch genau der Kontrast zu dem lauten Stadtleben von Mumbai und Pune sein, den wir brauchten. Und trotzdem wollten wir wieder raus aus dieser Situation.

Laura und ich lernten an diesem Abend Psychohygiene auf eine, für uns neue Art und Weise kennen. Es ist hoffentlich verständlich, dass wir im Verlauf dieses Blogs nicht jede Beobachtung, Herausforderung und Geruchsüberraschung, sei sie positiv oder negativ, schildern können, sonst würden wir nie fertig werden, dennoch, wir konnten es nicht lassen und uns vor dem Schlafengehen über die gesamte Situation aufzuregen und alles zu kritisieren was uns in den Sinn kam. Wir hatten auch noch keine Möglichkeit mit unserer Familie Kontakt aufzunehmen, da es im Ashram keinen Internetzugang gab und wir auch noch keine indischen SIM-Karten hatten. Vielleicht hätten uns ihre Stimmen beruhigt… oder auch nicht. Der Tag nahm also noch kein Ende, aber dieses Kapitel macht an dieser Stelle wohl besser einen Punkt.

Noch eine Runde George, oder auch nicht…

Am nächsten Morgen warteten wir etwas über eine Stunde auf George. Als er gekommen war, gingen wir mit ihm die Straße hinunter, um eine Rikshaw zu bestellen. Nach längerem Hin und Her sagte er uns, dass die Rikshaws und Taxis heute streiken. Er schickte uns dann mit Arjun, einem Lehrer und Sozialarbeiter des John Paul Slum Developments, indische SIM-Karten besorgen. George hatte sichtlich keine Zeit mehr und war schnell wieder weg. Im Endeffekt haben wir dann den gesamten Vormittag im Handy-Shop verbracht, ohne auch nur ein Wort zu verstehen, aber wir hatten indische SIM-Karten.

Danach gingen wir gemeinsam mit Arjun essen. Wir irrten eine Zeit lang herum bis wir auf eine Imbisshütte stießen, in der wir ohne Weiteres essen konnten. Es war schwierig für uns, ein Gespräch mit Arjun zu führen, da er so gut wie kein Englisch sprach und auch ein wenig verschlossen wirkte. Ich zahlte ihm das Essen, da er sich die Zeit für uns genommen hatte die SIM-Karten zu besorgen, woraufhin er uns ein Wasser kaufte und später die Busfahrt bezahlte. Schulden wollte er wirklich nicht haben, auch die Verkäufer im Shop wollten kein Trinkgeld für die Aufwendungen annehmen, obwohl sie den ganzen Vormittag für uns opferten. Wobei wir, was dieses Thema anbelangt, später noch feststellen sollten, dass diese uns über den Tisch gezogen hatten.

Nach dem Mittagessen fuhren wir mit dem Bus zum John Paul Slum Development. Als wir ausstiegen und die Umgebung sahen, fühlte ich mich etwas komisch. Vor uns war ein großer Markt, überfüllt mit Leuten, vielen Ziegen, die frei vor sich hin spazierten, Mopeds und natürlich Müll. Ich habe wirklich jeden meiner Schritte beobachten müssen, um nicht in irgendetwas hineinzusteigen.

Als wir dann im Waisenhaus ankamen, war niemand zu sehen außer einer Mitarbeiterin, die uns eine Wassermelone anbot. Wir setzten uns hin und wussten überhaupt nicht, was wir hier tun sollen. Dann kamen schon die Kinder und legten ihre Matten auf den Boden und sahen fern. Es dauerte nicht lange bis sie uns dann wortwörtlich umringten und drauf los redeten. „What`s your name?, Mother`s name?, Father`s name?“ und noch einige Fragen auf Marathi, die wir nicht verstanden.

Nach unzähligen Spielen, Liedern und Gesprächen verabschiedete sich unsere Energie von uns und wir wollten einfach nur weg. Wir waren wieder einmal überfordert und wir hatten auch die ganze Zeit dieses komische Gefühl, dass sowohl die Kinder, als auch Arjun und die Mitarbeiterin glaubten, wir würden hier ein paar Tage bleiben oder sogar unser Praktikum da absolvieren. Wir baten Arjun uns nach Hause zu begleiten, aber er war sichtlich verwirrt, weil er nicht wusste, ob wir denn überhaupt zurück ins Ashram sollen, oder nicht. Es wusste auch niemand wo George ist und wann bzw., ob er überhaupt noch einmal kommen würde. Eigentlich wussten wir in dem Moment gar nichts, außer, dass wir so schnell wie möglich von hier wegwollten. Die Sonne ging auch langsam unter und wir wollten auf keinen Fall am Abend alleine und auch noch orientierungslos in Indien unterwegs sein. Ich glaube, Arjun sah uns unsere Überforderung an und somit machte er sich mit uns auf den Weg zurück zum Ashram. Als wir dann wieder durch den Markt gingen fragte er uns, ob wir uns noch einen Tempel hier in der Nähe anschauen wollen. Wir waren ziemlich fertig, aber entschieden uns doch dafür, da wir mit dieser Einladung nicht gerechnet hatten. Es war dann im Grunde genommen ziemlich entspannend, da die Umgebung viel ruhiger war und somit wurden wir es dann auch.

Als wir dann wieder vor unserer Unterkunft waren, tauschten wir mit Arjun Telefonnummern aus. Eigentlich ist er ein lieber Kerl, auch wenn er anfangs etwas seltsam auf uns wirkte, das lag aber wahrscheinlich an der Kommunikationsschwierigkeit. Was George betrifft, führte ich noch ein kurzes Telefonat mit ihm, in dem wir nur den Transfer nach Maher besprachen. Wir sahen ihn dann nicht mehr.

Die erste Begegnung mit Sister Lucy Kurien

Wir wurden früh morgens von Balu, (einem Fahrer von MAHER), einer Mitarbeiterin und einem Jungen, namens Krishna, abgeholt. Wir waren von der Pünktlichkeit der MAHER-Leute regelrecht überrascht. Sie halfen uns unsere Gepäckstücke zu verstauen und wir kamen unserem Praktikum einen Schritt näher. Wir mussten zur Registrierung ins Pune-Office, was wir vorher nicht wussten. Registrierung bedeutet nichts anderes als unsere Ankunft schriftlich und die Dauer unseres Maher-Aufenthaltes, sowie einige persönliche Daten festzuhalten. Dies ist eine gesetzliche Auflage, wie wir einige Zeit später erfahren haben. Es dient der Polizei als Hilfestellung, sollte es zu einer Vermisstenanzeige nicht indischer Staatsangehöriger kommen.

Im Office erwarteten uns bereits einige Mitarbeiter welche uns, gemeinsam mit ein paar Kindern, den Maher-Willkommenssong vorgesungen hatten und wir erhielten zum ersten Mal den berühmt-berüchtigten indischen Punkt zwischen unseren Augenbrauen. Danach wurde ich als Erste gebeten mitzukommen. Als Tara an die Reihe kam warteten Robin und ich im Warteraum. Unsere Augen schweiften über die vielen Fotos von Lucy und ihren Mitarbeitern und Klienten, die überall im gesamten Raum hingen. Ich fragte mich, wie sie wohl sei, als Person.

Plötzlich bildete sich ein Schatten vor der Eingangstür. Ich hob den Kopf und da stand sie.

Lucy betrat den Raum mit einem Strahlen im Gesicht, welches den ganzen Raum erhellte.

Sie richtete sofort ihren Blick auf uns und streckte ihre Arme aus, um uns zu umarmen. Wir wurden buchstäblich mit offenen Armen empfangen. Sie sagte uns auch gleich wie froh sie sei uns zu sehen. Diese unübersehbare Energie, die sie ausstrahlte und dieses Gefühl von Geborgenheit, welches wir gleich in ihrer Gegenwart fühlten, (obwohl wir diese Frau zum ersten Mal sahen), ließ uns im ersten Moment vor Begeisterung verstummen. Noch gar nicht die Begegnung mit ihr verdaut, fing sie an, über ihre bevorstehende Arbeit an diesem Tag und über MAHER’s 20jähriges Jubiläum zu sprechen. Es kam uns so vor, als wollte sie uns einfach alles gleich erzählen, damit wir uns so schnell wie möglich wie zuhause fühlten. Sie lachte viel und sah uns immer wieder mit einem Blick an, als würde sie uns schon jahrelang kennen. Die gesamte Überforderung und Unsicherheit, die wir in den letzten Tagen erlebten, war wie weggefegt. Wir wussten, solange Lucy bei uns ist, ist alles gut.

Fortsetzung folgt …

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