stories stage
2. März 2017 Christiane Staab

Survival auf Finnisch – mein Auslandssemester

Natürlich haben wir unsere Studierenden gerne hier an unseren Studienzentren in Eisenstadt und Pinkafeld. Aber wenn sie flügge werden möchten, dann lassen wir sie ziehen – denn im Ausland studieren bietet einzigartige Möglichkeiten, um Erfahrungen zu sammeln, sich und andere besser kennenzulernen.

Marcus Messetler und Nico Gigacher haben das Wintersemester an der University of Applied Sciences Oulu in Finnland verbracht. Marcus studiert im Bachelorstudiengang IT Infrastruktur-Management, Nico studiert im Bachelorstudiengang Information, Medien & Kommunikation. Beide haben uns von ihren Erfahrungen erzählt.

Survival auf Finnisch – oder Marcus und das Bad im arktischen Meer

Wie kam es zur Entscheidung „Auslandssemester“?

Die Präsentation durch unser International Office an der FH Burgenland hat mich gleich im ersten Semester auf die Idee gebracht. Es haben sich dann noch zwei Studienkollegen gefunden, die auch Interesse gezeigt haben und wir begannen, uns zusammenzusetzen und uns alles genau durchzulesen. Finnland kam als mögliche Partneruni für unsere Studienrichtung in Frage uns so haben wir uns dann für Oulu entschieden.

Wie war der Unterricht dort organisiert?

Montag bis Freitag war Unterricht möglich, im ersten Teil des Semesters begann der Unterricht ein wenig später, also teilweise erst um 10 Uhr, im zweiten Teil war der Beginn meist schon um 8 Uhr.

Welche Kurse hast du besucht?

Neben den IT-zentrierten Kursen mussten wir uns auch ein paar Schritte außerhalb unseres engeren Bereiches umsehen, um die Punkte für das Learning Agreement zu erfüllen. So hatten wir neben Usability Basics, Internet Protocols und User Interface Kursen auch Physik, Statistik und Intercultural Competences. Letzteres ist spezifisch für internationale Studenten. Wir haben dort auch ziemlich viele Freundschaften schließen können.

Zusätzlich hatten wir noch „Finnish Survival“, ein Kurs, in dem wir die Basics der finnischen Sprache lernen konnten.

Wo und wie habt ihr gewohnt?

In einem Studentenheim, relativ zentral gelegen zwischen all den verschiedenen Gebäuden der Oulu University of Applied Sciences. Unser Campus war zwar am weitesten entfernt von unserem  Studentenheim und wir hatten eine halbe Stunde zu Fuß, aber mit entsprechender Einplanung kein Problem.

Das Apartment war simpel gehalten und hatte das Notwendigste dabei. Es war aber allemal ausreichend und nachdem wir uns ein paar Küchengeräte zugelegt hatten, waren wir engagierte Selbstversorger, die sich die typischen Studentengerichte selber kochten. Da war auch der Supermarkt, 5 min zu Fuß entfernt gelegen – schon eine tolle Sache.

Ich hatte das Glück, auch meinen Kollegen im gemeinsamen 2er-Apartment zu haben und so, mit regelmäßigem Besuch unserer dritten Studentin aus der FH Burgenland, nutzte unsere kleine Dreiergruppe diese Küche für sich gemeinsam.

Was waren die Highlights dich?

Puh, da wird’s jetzt schon schwieriger.

Wir haben uns eine Woche Lappland eingeplant, in der wir uns ziemlich viel „typisch Finnischem“ aussetzten.

Neben dem Hundeschlittenfahren, dem Fahren mit einem Schneemobil und der Schneeschuhwanderung bei ca. -23 °C war das definitiv die abenteuerreichste Woche. Die Fahrten im höchsten Norden von A nach B waren recht lange, oft 40 Kilometer bis man „dort oben“ zu seinem nächsten Nachbarn kam. Die Fahrt nach Norwegen war definitiv eines der, wenn nicht sogar das Highlight dieser einwöchigen Reise. Im Fischerdorf Bugøynes mit knapp 200 Einwohnern am obersten Zipfel von Norwegen schmissen wir uns nach der Sauna ins arktische Meer.

Welche Freundschaften sind entstanden?

Die Tutorin von meinem Studien- und Appartementkollegen, war eine der freundlichsten Personen, die mir in Oulu begegnet sind. Eine 27-Jährige Designerin mit dem Namen Merija, die mit uns viel unternommen hat (und uns auch einmal in eine finnische Karaokebar gebracht hat). Wir trafen durch sie Shen, der aus China stammte, aber aus Holland kam und Augustas, einen Litauer. Wir alle wurden mit der Zeit eine ziemlich zusammengewachsene Gruppe (und sind es immer noch), die Oulu gemeinsam „unsicher machten“. Einmal kochten wir für alle Käsespätzle. Und auch wenn wir das falsche Mehl eingekauft hatten (die finnische oder schwedische Beschriftung der Lebensmittel im Supermarkt hat uns doch manchmal hereingelegt), waren sie doch nicht so schlecht. Von Shen wiederum erlernten wir die Zubereitung von Sushi.

Auf jeden Fall war es eine tolle Zeit, in der wir viel gesehen und erlebt haben. Etwas, auf das ich  gerne zurückblicke.

Was war am schwierigsten für dich?

Eigentlich ging es mir während des Aufenthaltes im hohen Norden im Großen und Ganzen recht gut.

Die nordische Nacht steckte ich auch recht gut weg, aber ich denke, das ist wohl noch am ehesten hier zutreffend. Das Aufstehen zu den frühen Unterrichtsstunden, die halbe Stunde Fußweg noch im Dunkeln und das Sonnenlicht schon seit Längerem nicht mehr wirklich gesehen … Hier packt man sich am besten schön in einige Schichten ein, um dann bei Wind und Wetter zur Uni zu latschen. Das kann einem mit der Zeit schon aufs Gemüt schlagen, wenn man nicht so wie ich Freunde und Kollegen um sich hat und mit ein wenig Humor an die Sache herangeht.

Es hatte auch einen gewissen Reiz, der Kälte zu trotzen, und den nordischen Winter gemeinsam durchzustehen. Der Satz klingt doch gut, oder nicht?

Was empfiehlst du jüngeren StudienkollegInnen, die vor diesem großen Abenteuer stehen?

Nachdenken wird man sicher darüber, wenn man vor einem Semester wie diesem steht, aber im Endeffekt ist die beste Sache: „Augen zu und durch“. Man profitiert ganz sicher davon, sich einmal auch ins kalte Wasser zu stürzen (in Norwegen, haha) und ich bin heute der Überzeugung, es kann letzten Endes nur positiv sein, ein wenig außerhalb der gewohnten Umgebung zu leben und zu sehen, wie das andere so machen. Ziemlich vielen Studienkollegen geht es dort anfangs so wie euch (und es mir gegangen ist) und nicht nur diese Gemeinsamkeit ist die Basis all der Freundschaften, die ihr schließen werdet. Viel Glück und liebe Grüße!


Der Nordische Traum – Nicos Auslandssemester in Finnland

Anm: Von den Kursen, die Nico in Oulu besuchte, war er leider gar nicht begeistert. Dennoch hat er sich bereit erklärt, uns in einem Gastbeitrag von seinem Semester zu erzählen. Der Beitrag erscheint hier stark gekürzt. Wer mehr von Nico sehen möchte, folgt ihm auf seinem Youtube Kanal.

Der Erste Tag

Zwar könnte ich meinen Bericht bereits in der Vorbereitungsphase des Auslandssemesters ansiedeln und darauf eingehen, weshalb ich mich für Finnland entschieden habe oder wie groß die administrativen Hürden gewesen sind. Im Endeffekt geht dies an der FH Burgenland jedoch ziemlich leicht, weshalb 90% der zu erledigenden Dinge bereits an einem Tag weggearbeitet werden können. Deshalb beginnt meine Reise am Tag des Abflugs nach Finnland. Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie gemischt meine Gefühle auf dem Weg zum Flughafen gewesen sind. Ich erhoffte mir – gerade in Finnland, das für sein hohes Schulniveau bekannt ist – eine fordernde Universität, die mir einiges abverlangt und wo ich verschiedenste Dinge lernen kann. Ich erhoffte mir coole Leute zu treffen, die später zu Freunden werden sollten. Gleichzeitig war ich nervös, weil ich meine Familie, Freundin und Freunde für mehrere Wochen nicht mehr sehen würde. Ich würde auf mich allein gestellt sein und mit den kleinen Problemen des Alltags selbst klarkommen müssen. Mein chaotischer Kopf fürchtete sich in der Retrospektive natürlich vor Lappalien, aber auch das muss am Anfang ein wenig dazugehören.

Das Ankommen in Finnland war echt eine tolle Sache, da ich am Flughafen direkt von meinem Tutor Jing abgeholt wurde.

Diese Tutoren – man könnte sie auch als Mentor bezeichnen – sind eine großartige Idee, weil sie einem die ersten Hürden in Finnland ein Stück weit abnehmen. Sie zeigen dir das Wohnheim, organisieren deine Schlüssel und zeigen dir die wichtigsten Supermärkte in der Umgebung sowie den Weg zur Universität. Im Grunde genommen all jene Dinge, die im Verlauf der ersten Tage am wichtigsten sind. Das Wohnheim selbst wirkte auf mich zunächst recht trist.

Die erste Aufgabe in Finnland war es somit, meinen Raum mit den nötigsten Dingen auszustatten. Mülltonnen, Kleiderhaken, Handtücher, Duschvorhang und viele andere Sachen standen zunächst auf meiner Checkliste, die ich im nahegelegenen K-Supermarket einkaufen musste. Glücklicherweise war dort aber auch alles vorhanden, was ich für den Start in Finnland gebraucht habe. Nach einem Tag der Eingewöhnung hatte ich auch schon meine erste „Kennenlernveranstaltung“ an der Oulu University of Applied Sciences.

Hätte ich nach der ersten Woche ein Fazit ziehen müssen, so wäre dies wohl ein bezauberndes gewesen. Doch dann kamen diese leidigen Kurse dazwischen.

Für diese schrieb ich mich am Folgetag ein, obwohl sie leider kaum mit jenen übereinstimmten, die ursprünglich angeboten wurden. Dank eines neuen Administrationssystems an der Universität gingen einige Kurse unter, wurden falsch bezeichnet oder fanden aufgrund von Platzproblemen gar nicht erst statt. Andere Kurse hingegen waren maßlos überfüllt, wodurch Räume mit 20 Sitzplätzen wie aus dem Nichts mit 50-60 Studenten zugekleistert waren. Dank der Flexibilität seitens der FH Burgenland war es jedoch eine recht leichte Angelegenheit, das Kursprogramm adäquat zu wählen und die richtigen Kurse zu finden.

Der Alltag des Studenten mit „neuen Freunden“

Danach – also ab der zweiten Woche – begann eine Form des „Alltags“ einzukehren. Ich ging in die Uni und belegte meine Kurse, aß dort mit anderen in der Mensa, erledigte meine leider täglichen Einkäufe und ging wieder nach Hause, wo wir meistens Tischtennis oder Billard im Aufenthaltsraum gespielt haben. Mein Alltag wurde jedoch von einem eher unschönen Ereignis gesprengt. Eines Morgens wachte ich auf und wunderte mich über kleine rote Pünktchen, die überall auf meinen Handgelenken verstreut waren. Nachdem ich mit einem Pullover samt Jogginghose schlafen musste, da unsere Vermieter PSOAS es für eine gute Idee hielten erst ab Mitte September zu heizen, blieben nur wenige Stellen meines Körpers frei. Einen Tag später bemerkte ich, dass sich die Anzahl der roten Pünktchen vermehrt hatte. Ich dachte mir, dass ich eventuell die 5-Euro-Bettwäsche von IKEA nicht vertragen würde, weswegen ich sie nach unten in den Waschraum trug und reinigte. Als ich wieder nach oben kam, bemerkte ich auf meiner Matratze jedoch einen kleinen, umherwandernden, braunen Punkt. Da waren sie also – meine neuen, finnischen Freunde.

Bettwanzen haben es sich in meinem Zimmer gemütlich gemacht. Nicht nur dort, sondern auch in meinem Koffer durfte ich ein paar Wochen später noch ein paar Exemplare entdecken.

Es wurde für mich ein Kammerjäger kontaktiert. Der Kollege kam im Zwei-Wochen-Abstand fünf Mal – ja, richtig gelesen: FÜNF Mal – in meine Wohnung, weil sich das Bettwanzen-Problem nicht so einfach beseitigen ließ.

Reisende soll man ziehen lassen!

Neben diesem mit Höhen und Tiefen besetzten Alltag gibt es jedoch auch unzählige Möglichkeiten zu verreisen und Finnland sowie seine Nachbarländer zu erkunden. Das European Student Network organisiert beispielsweise Reisen nach St. Petersburg, zu den Lofoten oder nach Lappland, um nur ein paar zu nennen. Um die Sache ein wenig abzukürzen, möchte ich nur eine kleine Liste von den Trips zusammenschreiben, die ich während meinem Aufenthalt in Finnland erleben durfte:

  • Zwei Mökki-Trips mit Freunden – ein Mökki ist ein Wochenendhaus samt Sauna (meistens tief im Wald oder an einem See) zu dem die Finnen fahren, um sich zu entspannen.
  • Eine Fabriksbesichtigung in Tornio, da wir für den Kurs „Introduction to Project Working“ ein Interview bei der Firma Outokumpu geführt haben. Entgegen meiner Erwartungen war dies jedoch echt ein Highlight, weil ich gemeinsam mit Menschen losgefahren bin, die ich davor nur für ein paar Minuten kannte.
  • Ein Zwei-Tages-Trip zum Skispringen nach Kuusamo, wo ich u.a. Legenden wie Noriaki Kasai nur wenige Meter von mir entfernt sehen konnte. Fernab davon blieben wir mit dem Auto im Schnee stecken, überfuhren beinahe zwei Rentiere und verloren einen Geldbeutel mit zirka 500 Euro Inhalt. Glücklicherweise bekamen wir den Geldbeutel wieder zurück, wodurch es sich zu einem wahrlich lustigen Trip entwickelte.
  • Eine gemeinsame Woche mit meiner Freundin in Helsinki, wo wir mit einem Mietwagen weite Teile Südfinnlands abgefahren sind. Obwohl uns das Wetter nicht gerade in die Karten spielte, ist Helsinki eine wunderschöne und herzliche Stadt. Hier würde ich jedoch empfehlen unbedingt nach Porvoo zu fahren, das zirka eine Stunde von Helsinki entfernt liegt. Diese kleine Hafenstadt hat es meiner Freundin und mir wirklich angetan.
  • Mehrere Tagesausflüge in Nationalparks oder zu der Insel Hailuoto, bei denen ich extrem schöne Fotos machen konnte, die ich wahrscheinlich erst in ein paar Jahren bearbeiten werde, weil ich dafür einfach zu faul bin…
  • Mein persönliches Highlight bleibt jedoch der Lappland-Trip am Ende des Auslandssemesters.

Auch wenn diese Reisen finanziell gesehen nicht gerade ein Schnäppchen gewesen sind, so waren sie jeden einzelnen Cent wert.

 

Tagged: , , , , , Zur Übersicht

Kontaktieren Sie uns!

AQ Austria akkreditiert Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft Land Burgenland Österreichische Fachhochschulkonferenz Wachsen mit Europa
Audit familienfreundliche Hochschule Eisenstadt Pinkafeld Wachsen mit Europa

FACHHOCHSCHUL-STUDIENZENTRUM
EISENSTADT

Campus 1
A-7000 Eisenstadt
Tel.: +43 (0)5 9010 609-0
Fax: +43 (0)5 9010 609-15
 

FACHHOCHSCHUL-STUDIENZENTRUM
PINKAFELD

Steinamangerstraße 21
A-7423 Pinkafeld
Tel.: +43 (0)3357 45370-0
Fax: +43 (0)3357 45370-1010

ÖFFNUNGSZEITEN ANFAHRT

Interessiert?

Melden Sie sich online für ein Bachelor- oder Masterstudium an. Wir freuen uns auf ein Kennenlernen.

Online Anmeldung

Haben Sie noch Fragen?

Gerne beraten wir Sie und helfen bei der Wahl zum passenden Studium.

Kontaktformular

Jeden 1. Samstag im Monat findet eine InfoLounge in Eisenstadt und Pinkafeld statt.