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9. Dezember 2016 Christiane Staab

Im Trend: Recruiting 2.0

Lange Jahre führte der Weg zum Traumjob ausschließlich über Stellengesuche, Bewerbungsmappe und Vorstellungsgespräch. In Zeiten der sozialen Netzwerke verraten Profile im Internet jedoch womöglich mehr über potentielle Jobanwärter als jeder Lebenslauf. Immer mehr Personalverantwortliche informieren sich über zukünftige MitarbeiterInnen auf Facebook, Twitter und Co.

Das Ziel jeder Personalsuche ist es, denjenigen Bewerber zu finden, der die Arbeitsanforderungen optimal erfüllt und am besten ins Unternehmen passt. Im Normalfall wird eine Stellenanzeige geschaltet, eingehende Bewerbungen gesammelt und Kandidaten zum persönlichen Gespräch eingeladen.

Gerade in größeren Unternehmen werden dafür häufig Persönlichkeitstests durchgeführt. Dabei haben sich vor allem solche Tests bewährt, die auf dem sogenannten „Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit“ fußen. Danach lässt sich der Charakter eines Menschen anhand weniger Kriterien einordnen: Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und emotionale Stabilität.

Seit der wachsenden Bedeutung von sozialen Netzwerken werden aber auch zunehmend „digitale Fußabdrücke“ für die Auswahl von Bewerbern herangezogen. In einer 2011 durchgeführten Studie der Universität Brüssel gaben schon damals 43 Prozent der befragten Personalverantwortlichen an, aus Facebook-Profilen Rückschlüsse auf die Persönlichkeit von Bewerbern zu ziehen, beispielsweise hinsichtlich Extraversion und persönlicher Reife.

Hierin liegen jedoch auch Risiken, denn der digitale Datenstrom macht den Arbeitgeber schon früh im Bewerbungsprozess auf Merkmale wie Attraktivität, Alter, Hobbies etc. aufmerksam. Dies kann den rationalen Entscheidungsprozess beeinflussen. Die Entscheidung, eine Person gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch einzuladen, wird dann womöglich unbewusst aufgrund von Merkmalen getroffen, die für den Job gar keine Rolle spielen.

Was sagt die Praxis?

Wir haben bei Veith Widmann, HR Manager Austria & Germany bei Quintiles und Absolvent der FH Burgenland nachgefragt

Veith W.

Herr Widmann, haben die Klassiker Bewerbungsmappe und Vorstellungsgespräch ausgedient?

Ich persönlich bin ein Fan des klassischen, gut strukturierten CVs – gerade wenn es um die Besetzung von Senior-Positionen, also um Menschen mit viel Arbeitserfahrung geht. Auch das Motivationsschreiben bietet eine gute Basis für ein eventuelles Bewerbungsgespräch. Aber natürlich ist hier auch die Unternehmenskultur ausschlaggebend.

Ein modernes IT Unternehmen, bei dem Sie sich im Bereich Online Marketing bewerben, wird einen anderen Zugang zu CV und Motivationsschreiben haben als ein kleiner Handwerksbetrieb im ländlichen Raum.

In den USA werden potentielle Kandidaten mittels Software wie „TweetPsych“ und „YouAreWhatYouLike“ durchleuchtet. Ist dieser Trend auch bei uns zu erwarten?

In abgeschwächter Form kann ich mir das durchaus vorstellen.

Man muss aber bedenken, dass wir hier in Europa einen anderen Zugang zu Datenschutz haben als in den USA.

Auch Arbeitnehmer sind in Österreich und Deutschland sehr gut über ihr Privatrecht informiert. Ich glaube also nicht, dass Recruiter mit eigener Software arbeiten werden, aber natürlich bewegen auch sie sich immer mehr in den Sozialen Netzwerken.

Wenn ich Informationen über mich auf XING oder LinkedIn hochlade, gehe ich davon aus, dass sich Personaler diese Informationen ansehen können und auch sollen. Wie aber sieht es mit meinen Facebook- und Twitter-Aktivitäten aus? Muss ich künftig fürchten, dass jede Aktivität im Netz auch beruflich für oder gegen mich gewertet wird?

Die Nutzerzahlen von Sozialen Medien sind in den letzten Jahren förmlich explodiert. Die meisten User setzen sich aber nicht kritisch mit den neuen Medien auseinander. Meist verschwimmt privat und beruflich. Wenn man mit KollegInnen oder dem Vorgesetzten auf Facebook befreundet ist oder sich aktuell auf Jobsuche befindet, rate ich dazu, sehr vorsichtig zu sein. Die Privatsphäre Einstellungen bieten viele Möglichkeiten, die Informationen zu filtern, die man von sich preisgibt.

Haben Sie immer im Hinterkopf: wenn Sie gegoogelt werden sollte das Bild, das sich von Ihnen zeigt auch dem entsprechen, das Sie im beruflichen Kontext von sich zeigen möchten.

Was raten Sie unseren Absolventen? Wieviel Transparenz hilft bei der Jobsuche, was schadet eher?

Drehen Sie den Spieß um! Posten Sie aktiv und öffentlich zu Themen, die Ihre Ausbildung oder Ihre gewünschte Position betreffen.

Wenn Sie sich auf Facebook für branchenspezifische Veranstaltungen interessieren oder in entsprechenden Gruppen sind, schärft das das Bild, das sich ein Recruiter im Netz über Sie macht. Nutzen Sie die Chancen, die die sozialen Medien bieten.

Wir danken für das Gespräch!

 

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