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11. März 2016 Christiane Staab

Mein Praktikum in Kiew

Julia Jurcizak und Chiara Daubek studieren Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der FH Burgenland. So wie ihre KollegInnen haben sie sich zu Studienbeginn für eine zentral-osteuropäische Sprache entschieden. So wie ihre KollegInnen haben sie im fünften Semester ihr Berufspraktikum im Ausland absolviert. Julia und Chiara haben uns von ihren Erfahrungen in Kiew, Ukraine erzählt.

Praktikum in der Ukraine – wie alles begann

Wir studieren Internationale Wirtschaftsbeziehungen mit dem Schwerpunkt Zentral-Osteuropa an der FH- Burgenland in Eisenstadt – mittlerweile schon im sechsten Semester. Wir beide wollten unbedingt Wirtschaft studieren. Das Arbeits- und Spezialisierungsspektrum, das euch mit einem Wirtschaftsstudium offen steht, ist einmalig.

Die zentral- und osteuropäische Ausrichtung hat uns von der FH Burgenland überzeugt.

Schon immer hat uns die östliche Kultur fasziniert und um diese besser zu verstehen, wollten wir die russische Sprache erlernen. Besonders angesprochen hat uns das verpflichtende Praktikum im Ausland, darauf haben wir uns lange gefreut.

Das Besondere an der FH Burgenland ist wie bereits erwähnt, der einzigartige Schwerpunkt auf den Osten. Es wird einem im Unterricht nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur vermittelt.

Des Weiteren wird man sehr gut auf das Praktikum vorbereiten, da es Praktikumsberichte aus den Vorjahren gibt, einige Begleitseminare und ein „get2gether“, wo Studenten die bereits ihr Berufspraktikum abgeschlossen haben, über dieses berichten und man sich so austauschen kann.

Da wir im Zuge des Sommerkollegs – das sind dreiwöchige Intensiv-kurse im Ausland, organisiert von unserem Studiengang für Studierende aus ganz Österreich – in Moskau Russland schon kennenlernen durften, wollten wir bei unserem Berufspraktikum unser Spektrum um ein weiteres Land erweitern. Deshalb fiel unsere Entscheidung auf die Ukraine.

(c) foto-julius.at

(c) foto-julius.at

Besonders überrascht waren wir darüber, dass die Situation nicht ganz dem in den österreichischen Medien verbreiteten Bild entsprach.

Die Stadt wirkte sehr sauber, sicher und man sah ihr die Spuren der Orangenen Revolution kaum an. Nur die Gedenkstätten mit den vielen Bildern, Blumen und Kerzen erinnern an den Krieg im Osten des Landes.

Trotz der schwierigen Ereignisse in der Vergangenheit waren die Leute sehr freundlich zu uns, hilfsbereit und sehr erfreut, dass junge Menschen aus dem Westen zu ihnen ins Land kommen und arbeiten möchten.

JULIA

Mein Alltag

Mein Alltag in der Ukraine war dem österreichischen sehr ähnlich, doch einige Unterschiede gab es.

Einer war bestimmt, dass meine Arbeit später begann als hier in Österreich. So musste ich erst um 9.30 im Büro sein, welches sich drei Gehminuten von meiner Wohnung befand. Mein Tag begann also um einiges später – er endete aber auch um einiges später.

Viele Kunden/ Lieferanten melden sich erst am Nachmittag, verschieben alles auf die letzte Minute und man kommt von der Arbeit einfach schwerer weg.

Ich habe für das Unternehmen Interiors International gearbeitet, welches eine sehr vielfältige Firma ist, fokussiert auf Design und das Planen und Errichten von Bauten mit dem Sitz in Kiew, Ukraine. Die Tätigkeitsfelder reichen vom Erbauen von Büros, Hotels, Einkaufszentren bis zu Yachten, Villen, Gärten, Privatjets, privaten und öffentlichen Anlagen, beispielweise Golfanlagen.

Julia Jurcizak machte ihr Berufspraktikum in der Ukraine.

Da das Unternehmen nicht nur baut und designt, sondern auch liefert, übersetzt, montiert, Baustellen kontrolliert, stets die neuen Gesetze bezüglich Baubewilligungen verfolgen muss und sein Netz international immer weiter ausbaut, war es mir möglich ein sehr weites Spektrum an Aufgabengebieten kennenzulernen.

Mein Tätigkeitsbereich bestand im Hauptsächlichen aus drei großen Aufgabengebieten. Ich erledigte Übersetzungsarbeiten, setzte ich mich mit der Logistik des Unternehmens auseinander und außerdem hatte ich eine Kontrollfunktion.

Die meiste Freude hatte ich an den Übersetzungsarbeiten, da diese sehr unterschiedlich und jedes Mal eine neue Herausforderung für mich waren.

Da Interiors International auch einige deutsche und österreichische Kunden hat, war ich bei Telefonaten, E-Mails, Rückfragen, aber auch Meetings ein stets verfügbarer Ansprechpartner. Ich fühlte mich vom ersten Tag an in diesem Unternehmen wohl und ich denke, dass das Unternehmen auch zufrieden mit mir war. Nach den vereinbarten fünfzehn Wochen schlug mir das Unternehmen nämlich eine Verlängerung des Praktikums vor – wieder mit flexibler Arbeitseinteilung.

Obwohl mein Auslandspraktikum nun theoretisch vorüber ist, arbeite ich dort weiter. Es wurde abgemacht, dass ich je nach meinen Möglichkeiten hinfliege und dort Arbeiten erledige, aber auch Projekte, Rechnungen, Lieferscheine etc. per E-Mail zugesandt bekomme und von zu Hause aus übersetzen darf.

Was „gut“ und was „schlecht“ funktionierte

Ich war sehr überrascht, dass obwohl vor kurzem Krieg war bzw. in Teilen der Ukraine noch im Gange ist, alles sehr „normal“ wirkte. Die Leute gingen zur Arbeit, gingen einkaufen, waren stets freundlich, die U-Bahnen und das öffentliche Verkehrsnetz funktionieren bestens, Blumen wurden an jeder Straßenecke verkauft und die Stadt wurde soweit renoviert, dass man auf den ersten Blick nichts entdecken konnte.

Aber: Es ist für viele Ukrainer sehr schwer, weil sie in ständiger Unsicherheit leben. Man weiß nie, was am nächsten Tag passiert.

Aufgrund dessen ist es auch sehr schwierig, eine stabile Arbeit zu finden. Leider sind sehr viele, auch junge Menschen, arbeitslos. Alkohol scheint für viele ein Ausweg zu sein. Sehr viele alte Menschen sind auf ihre „Betteleinnahmen“ angewiesen. Es gibt praktisch kein stabiles, gutes Sozialsystem. Sehr vielen Menschen, die ich getroffen habe, gehen die Unruhen sehr nahe.

Probleme und Schwierigkeiten für Unternehmen vor Ort

Die Wirtschaftssanktionen treffen viele Unternehmen sehr hart, auch das, bei dem ich arbeiten durfte, da es viele Änderungen und neue Bestimmung bezüglich Lieferungen gibt.

Aus Europa darf „nichts“ auf die Krim geliefert werden – es gibt einige Projekte, in denen schon alles besprochen, geplant, bezahlt, hergestellt wurde und jetzt einfach nicht geliefert und montiert werden darf. Dies führt zu großen Streitigkeiten und Unstimmigkeiten zwischen den Unternehmen, aber auch zu Kundenunzufriedenheit.

Meine persönliche Erkenntnis und meine Erfahrungen

Mein Berufspraktikum war für mich insgesamt eine sehr schöne und wertvolle Erfahrung, für die ich der FH Burgenland sehr danke. Ich habe einige neue Menschen kennengelernt und durfte meinen Wortschatz in der russischen/ ukrainischen Sprache ausbauen.

Nächstes Jahr plane ich mit meinen Freunden eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn!

Sehr positiv überrascht war ich von der Freundlichkeit der Menschen, da diese in letzter Zeit ja eigentlich sehr viel Schlechtes durchmachen und erleben mussten. Auch wenn sie kaum etwas haben, sind sie sehr hilfsbereit und gut gelaunt.

Auch überraschte mich, dass die abgebrannten Gebäude alle renoviert waren- nur Bilder am Hauptplatz zeigten wie diese Gebäude noch vor kurzem aussahen.

Ich bin sehr dankbar eine solche Erfahrung gemacht haben zu dürfen und möchte großes Lob für all die Unterstützung von Seiten der FH Burgenland aussprechen. Alleine hätte ich mich vermutlich nie getraut, für ein halbes Jahr in ein so instabiles Land zu gehen um dort Berufskontakte zu knüpfen.

CHIARA

Mein Praktikum in Kiew hat mir wirklich wahnsinnig gut gefallen. Ich habe mich in der Stadt und in der Arbeit sehr wohl gefühlt.

Ich war vom 01.10.- 15.12.2015 am AußenwirtschaftsCenter tätig und zu meinen Arbeitsaufgaben zählten Branchenreports und Schlagzeilen schreiben, Marktinformationen updaten, Mitarbeit bei Veranstaltungen, Teilnahme an Konferenzen, etc.

Chiara Daubek (Mitte)

Chiara Daubek (Mitte)

Sowohl die Arbeitskollegen als auch die Ukrainer im Allgemeinen sind mir mit sehr viel Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Offenheit entgegengekommen. Ich konnte von allen vieles über das Land, die Politik und das Leben in der Ukraine lernen.

Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, hätte ich meine Zeit in Kiew verlängert, denn ich empfand jeden Tag wie ein kleines Abenteuer in dem ich mit ungewöhnlichen Problemen konfrontiert wurde.

Ich bin sehr froh, dass ich diese unübliche Destination gewählt habe, ansonsten wäre ich womöglich nie dazu gekommen diese unglaubliche Stadt mit ihren zahlreichen Facetten kennenzulernen und hätte nie so viele bleibende Eindrücke sammeln können.

Chiara Daubek (rechts)

Chiara Daubek (rechts)

 

 

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